Zur Vorgeschichte

Nachruf auf ERDA



Es war am 07.05. 2000, ein Sonntag. Ich war zu Hause, als meine 23-jährige Tochter in die Wohnung stürmte, Tränen im Gesicht - komm schnell zur Hundewiese, Erda ist beim Spielen plötzlich zusammengebrochen. Erda - das war unsere erst 6-jährige Dobermannhündin. Ich erst mal Telefonbuch, welcher Tierarzt hat Notdienst, Handy geschnappt ins Auto, unterwegs Tierarzt angerufen, komme ich zur Wiese - eine Freundin meiner Tochter hatte beim Hund gewartet. Erda liegt mitten auf der Wiese ausgestreckt auf der Seite, Zunge hängt aus dem Maul, Körper völlig schlaff.

Mir wird eiskalt und ich weiß eigentlich, der Hund ist tot. Trotzdem laden wir ihn auf die Ladefläche und fahren zum Tierarzt, der den Tod bestätigt. Man begreift das erst noch gar nicht. Im Garten haben wir den Hund dann begraben, meine Tochter hat ein Stöckchen und einen Apfel ins Grab gelegt, Erda´s Lieblingsspielzeuge. Es war ein besonderer Hund. Wirklich. Ihr oberstes Interesse war Spielen mit Herrchen oder Frauchen, neben Fressen und Schlafen natürlich. Aber danach kam lange nichts und dann vielleicht hin und wieder mal Interesse an einem anderen Hund, aber sowie ein Stöckchen zu sehen war, hatte alles andere keine Chance.

Ich übertreibe bestimmt nicht, wenn ich sage, daß Erda in ihrem ganzen Leben - höchstens!!! - vier- oder fünfmal gebellt hat. Ausnahme: Herrchen oder Frauchen anbellen beim Spielen! Wenn wir mal mit ihr zum Tierarzt mußten, ging immer die Sucherei nach der Leine los. Ansonsten brauchte sie keine Leine und wir für sie auch nicht, es ging direkt in Feld und Wiese, die ungefähr 50 m Bürgersteig davor ist sie direkt vor oder neben uns hergetrottet. Oder ins Auto und an den Main - herrlich !!

Die grundlegenden Kommandos beherrschte sie selbstverständlich und wenn wir sie - um dem Sicherheitsempfinden anderer Rechnung zu tragen - doch mal festhalten wollten, brauchte man ihr nur ein Stöckchen hinzuhalten. Für keinen Preis der Welt und aus keinem vorstellbaren Anlaß hätte sie das losgelassen, es sei denn auf Kommando "Aus!" Zudem ging das auch wesentlich schneller, als anleinen.

Im Laufe der Jahre waren wir natürlich dann auch in der ganzen Gegend bekannt als "die Leute mit dem friedlichen Dobermann". Die Leute setzten ihre kleinen Kinder und/oder ihren Zwergdackel ohne jede Bedenken der Begegnung mit unserer Hündin aus, selbst solche, die sonst beim Anblick eines größeren Hundes eine Panikattacke bekommen hätten. "Ach Sie sind es nur...".

Um alles Fremde hat sie einen großen Bogen gemacht, Bekanntes wurde kurz angeschnüffelt. Radfahrer und Jogger ließen sie schon immer völlig kalt, totales Desinteresse. Morgens im Feld kam es öfters vor, daß ihr Hasen unmittelbar vor der Nase saßen oder in 2 m Entfernung vorbei hoppelten. Keine Reaktion Erdaseitig. Das einzige was sie etwas reizen konnte, das waren Katzen, aber auch nur so mehr nebenbei, pro forma gewissermaßen. Da wurde nicht gebellt oder so, aber sie lief halt auf die Katze zu - naja - Bäume gibts hier auch genug und wenn die Katze dann auf einem Baum saß, war die Welt wieder in Ordnung.

Ansonsten war Spielen ihr Leben, ab und zu auch durchaus mit anderen Hunden, wenn Herrchens oder Frauchens Arme nicht mehr konnten oder wollten. Sie war ein toller Hund. Bei aller Gelassenheit gegenüber ihrer Umgebung, konnte sie beim Spielen total aus sich herausgehen. Aber spätestens in etwa 50 m Entfernung gab es sowas wie eine unsichtbare Leine, umschauen - wo bleibt Herrchen oder Frauchen denn nur - muß ich doch mal ganz schnell hinlaufen.. und dann gabs häufig eine Begrüßung, als hätte man sie stundenlang allein gelassen.

Ich hatte noch keinen vergleichbaren Hund, ich kenne keinen vergleichbaren Hund und ich glaube auch nicht, daß es eine Erda nochmal geben wird. An ihrem Grab habe ich ihr versprochen, daß ich ihr für die viele Freude, die sie uns gemacht hat, dadurch danken will, daß ich mich für die Interessen ihrer Artgenossen einsetzen werde. Diese Seiten sollen ein Beitrag dazu sein.