PRESSE-ERKLÄRUNG


Verein gegen die Diskriminierung
von Hund und Halter e.V.

PRESSE-ERKLÄRUNG



Schluss mit dem Wahnsinn!

In Hamburg wurde ein kleiner Junge von zwei Hunden getötet. Verantwortlich für das tragische Unglück sind eindeutig der kriminelle Hundehalter und die zuständigen Behörden, die den bereits auffällig gewordenen Hund des vielfach Vorbestraften nicht rechtzeitig sicherstellten. Verantwortungsbewusste Hundefreunde fordern seit langem die stärkere Überwachung des Verbots der Aggressionszucht oder -Ausbildung und die Durchsetzung der bestehenden Gesetze zum Schutz von Mensch und Tier. Doch Politiker und Behörden sind bis heute nicht bereit, ihr Versagen einzugestehen. Die Schuld sollen stattdessen nun zigtausend friedliche Hunde und ihre pauschal als gewissenlose Subjekte diffamierten Halter übernehmen.

Medien und Politiker schüren die Angst und den Hass auf angebliche "Mörderhunde" und "Killermaschinen". Dabei war der schreckliche Tod des Hamburger Kindes glücklicherweise ein Einzelfall - 1 bis 4 Todesfälle durch Hundebisse sind in Deutschland pro Jahr zu beklagen. Die Ursachen für tödliche oder schwere Verletzungen (76% der statistisch erfassten Hundebisse sind allerdings leichter Natur) durch Hunde sind fast immer gleich: Kriminelles Milieu, alkohol- oder drogensüchtige Halter, scharf gemachte oder durch Zwingerhaltung ungenügend sozialisierte Hunde.
Die Experten wissen es, die Zahlen beweisen es: Es gibt keine "Kampfhund-Rassen" mit spezifisch erhöhter Aggressivität! Der besonders verteufelte Pitbull beispielsweise ist in den Beißstatistiken mit weniger als 10% vertreten! Es gibt gefährliche Hunde - jeder Rasse und jeder Größe. Doch es gibt weitaus mehr gefährliche Menschen: 1999 gab es allein in Hamburg 46 Verkehrstote (über 12.000 Verletzte), 1723 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und 3391 Fälle schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Die Täter waren Menschen. Die 272 Hundevorfälle - nur zu 4% schwer - stellen nicht einmal 10% der menschlichen Körperverletzungen, können also kaum dafür verantwortlich sein, wenn Bürger Angst empfinden.

Das öffentliche Deutschland spielt verrückt:

Meldungen werden manipuliert, Zahlen verfälscht: Gestürzte Radfahrer werden zu Kampfhund-Opfern, knurrende Collies zu "blutgierigen" Pitbulls. Immer mehr Menschen werden unschuldige Opfer dieser Hexenjagd. Während niemand auf die Idee käme, alle Autofahrer für die immerhin 7000 Verkehrstoten pro Jahr zu belangen, werden nun sogar allgemein als harmlos geltende Familienhunde und ihre Halter mit Steinen beworfen. Die Polizei wird gerufen, weil Kleinsthunde auf einer Wiese spielen. Die Besitzer großer Hunde werden als Mörder beschimpft, junge Frauen mit sogenannten Kampfhunden wurden bereits tätlich angegriffen. Renommierte Psychologen attestieren den Haltern bestimmter Hunderassen pauschal krankhaften Aggressionsdrang, die GEW spricht von einer speziellen "sozialen Verfasstheit" der meisten Kampfhunde-Halter, die Hamburger Elternkammer traut "solchen Familien" kein Verantwortungsbewusstsein zu. Hundefreunde, die ihre eigenen und fremde Kinder durch Schulung in hundlichem Verhalten schützen möchten, werden vom Deutschen Kinderschutzbund als "diese Leute, die ihre Hunde auf unsere Kinder hetzen" beleidigt.

Im Eilverfahren verabschieden die Bundesländer Hundeverordnungen und Gesetze, die allen Erkenntnissen und Ratschlägen der Fachleute, Wissenschaftler, Tierärzte und Tierschutzorganisationen völlig widersprechen. Ein schmutziger Wettkampf wird ausgetragen, welches Bundesland die schärfsten Maßnahmen praktiziert. Das Bundesland Bayern, gerade eben noch der Vorreiter einer restriktiven Gesetzgebung, erscheint heute verglichen mit den rot-grün regierten Bundesländern oder auch mit dem von der CDU beherrschten Hessen geradezu als eine glückliche Insel der Rechtsstaatlichkeit und der Berechenbarkeit.

Der Rechtsstaat scheint außer Kraft gesetzt: Tausenden von Hunden droht die Todesstrafe ohne vorheriges Vergehen - ein Beweis der Unschuld soll sogar unmöglich sein. Politiker sprechen von "Säuberungen", die Polizeigewerkschaft will "nicht mehr die Spreu vom Weizen trennen". Öffentlich wird geäußert, man wolle nicht einmal mehr den Bürgersteig mit "diesen Viechern" teilen. "Kampfhunde" sind in Einkaufszentren unerwünscht. "Kampfhunde" dürfen weder Bahnsteige noch Züge oder Busse des Hamburger Verkehrsverbundes benutzen. (Obwohl es bisher nicht einen einzigen "Kampfhund"-Zwischenfall in diesem Bereich gab, wohl aber, in 1999, 1537 menschliche Straftaten.) Betroffene Menschen ohne PKW werden also mit ihren Tieren nicht einmal zum Tierarzt oder den wenigen Hunde-Auslaufflächen gelangen können. Sogar die Deutsche Bahn AG, zumindest nicht ganz unschuldig am Tod von über 100 Menschen allein in jüngster Vergangenheit, macht unzähligen Familien die Ferienreise oder auch nur den Tagesbesuch zur Oma unmöglich - Reisende mit "Kampfhunden" werden ab sofort nicht mehr befördert. Menschen, die sich aus Liebe und Verantwortungsbewusstsein weigern, ein (harmloses) Familienmitglied einfach wegzugeben, sind massenhaft von Obdachlosigkeit bedroht. Nicht nur Wohnungsgesellschaften drohen mit Kündigung, selbst der Mieterverein fordert auf, die Abschaffung von "Kampfhunden" notfalls gerichtlich zu erzwingen, "selbst wenn die Tiere bisher friedlich waren."

Im Zentrum aller Maßnahmen steht das Ziel, "möglichst viele Kampfhunde zu töten", wie Hamburgs Erster Bürgermeister Ortwin Runde verkündete, und eine Reihe von Hunderassen auszurotten. Nicht mehr das Aussterbenlassen durch Zwangskastration und Zuchtverbot wird heute angestrebt, sondern die Erfassung, "Sicherstellung" und schließlich Tötung vieler tausend Hunde. Das widerspricht eindeutig dem Grundsatz des Tierschutzgesetzes, dass kein Tier ohne "vernünftigen Grund" getötet werden darf. Als solche Gründe gelten in Bezug auf Haustiere nur schwere Krankheit oder irreparable Gefährlichkeit, die aber im Einzelfall nachgewiesen werden muss. Kein Problem, sagen die Politiker, dann ändern wir eben mal schnell das Tierschutzgesetz.

Die geplante Massenvernichtung läuft nach dem bekannten bürokratischen Muster ab:

1. Stufe: ERFASSUNG: In den meisten Bundesländern sind Hunde bisher nicht nach Rassenzugehörigkeit registriert. Zur detaillierten amtlichen Erfassung der "Kampfhunde" (die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen) müssen die Halter also veranlasst werden, ihre Tiere selbst bei den Behörden anzuzeigen und in die Kartei der Todeskandidaten eintragen zu lassen. Um dies zu gewährleisten, wird den verzweifelten Menschen eine winzige Chance in Aussicht gestellt, ihr Tier vielleicht ausnahmsweise doch behalten zu dürfen. Zum anderen wird mit Such- und Fangkommandos der Polizei gedroht, die alle nicht registrierten Hunde gnadenlos und perfektionistisch aufspüren werden. Massive Aufrufe zur Denunziation sollen schließlich eine wirklich restlose Erfassung aller zur Tötung vorgesehenen Tiere gewährleisten.

2. Stufe: STIGMATISIERUNG UND AUSGRENZUNG: Maulkorb- und Leinenzwang - in Planung sind bereits Ergänzungen: Weitere deutlich sichtbare Zwangskennzeichen (beispielsweise Steuermarken in Neonfarben, verschiedenfarbige Halsbänder) dienen dazu, die auszurottenden Hunde als solche zu markieren. Denn das ist Voraussetzung der Ausgrenzung von Hund und Mensch aus immer mehr Bereichen der Gesellschaft, die Vorraussetzung für "kampfhundfreie" Plätze, Verkehrsmittel und Wohnanlagen.
Ein besonders infames Mittel der Stigmatisierung und Ausgrenzung ist der Zwang, auch an der Wohnungstür ein Kennzeichen anzubringen. Dieses besteht zum Beispiel in Hessen in einem "leuchtend roten Warnschild im Mindestformat 15 mal 21 Zentimeter mit der deutlich lesbaren Aufschrift 'Vorsicht, gefährlicher Hund!'". Hamburg fordert dasselbe Warnschild, allerdings bisher ohne Vorschrift hinsichtlich der Größe und Farbe. Die Stigmatisierung von Hund und Mensch radikalisiert und beschleunigt die Ausgrenzung. Schon der Maulkorb wird von ignoranten oder auch nur uninformierten Menschen als Beweis missverstanden, der damit geführte Hund sei tatsächlich gefährlich. Das Warnschild an der Tür programmiert selbst dort, wo es bisher noch keine Probleme gab, den Streit mit Nachbarn und die Kündigung der Wohnung. Außerdem dient jede Form von Stigmatisierung, sei es nun der Maulkorb oder das leuchtend rote Warnschild an der Tür, dazu, ihre Träger als potentielle Opfer gewaltsamer Übergriffe kenntlich zu machen. Im Fall eines Pogroms, das nach dem nächsten oder übernächsten Zwischenfall mit einem Hund ernstlich befürchtet werden muss, werden die diskriminierenden Warnschildern an den Wohnungstüren geradezu Wegweiser für den Mob sein.

3. Stufe. SICHERSTELLUNG UND KONZENTRATION: Letzten Endes soll nur einer sehr kleinen Zahl von Menschen gestattet werden, durch eine kaum zu erlangende Ausnahmegenehmigung das Leben ihres "Kampfhundes" zu retten. An dieser Tatsache lassen weder Gesetze noch Politiker-Aussagen irgendeinen Zweifel. Dass die Behörden dennoch vorläufig so tun, als seien die Dinge noch in der Schwebe und als sei zu "Panikreaktionen" kein Grund, liegt sicher auch darin begründet, dass man den Zusammenschluss der zu hunderttausenden Betroffenen verhindern möchte. Noch stehen die benötigten Kapazitäten zur Errichtung von Hunde-Vernichtungslagern nicht zur Verfügung. Noch können die inhumanen Pläne nicht in grausige Fakten münden. Noch wäre Zeit, erfolgreiche Abwehrstrategien zu entwickeln. Noch könnten Menschen aktiv für das Leben ihrer Hunde kämpfen. Doch die Zeit wird knapp: Der hessische Innenminister Bouffier spricht von der "schnellstmöglichen Verwirklichung" von "zentralen Auffangstationen" in Hessen, und fügt zugleich hinzu: "Eine dauerhafte Verwahrung komme allerdings nicht in Betracht; man werde die Hunde wahrscheinlich einschläfern müssen". Die Hamburger Behörden lassen noch offen, ob sie die Tötungslager als Erweiterung des Tierheims Süderstraße oder an anderen Stellen einrichten wollen.

Tierschutz ist auch Menschenschutz!

Angesichts der entfesselten Hysterie scheint jede Vernunft, jede Erkenntnis moderner Gesellschaften einfach ausgeschaltet: "Menschenschutz ist wichtiger als Tierschutz", heißt es heute überall. Eine dumme, zutiefst inhumane Parole - beide Ideale stehen sich im konkreten Fall überhaupt nicht alternativ gegenüber. Außerdem sind Medien, Politiker und Stammtisch von der Verteufelung der Tiere längst schon logisch und zwangsläufig zur Verteufelung der mit ihnen zusammenlebenden Menschen übergegangen. Die Vorgänge der letzten Zeit machen im Gegenteil sehr deutlich, wie eng die Achtung bzw. Missachtung tierischen und menschlichen Lebens in der Gesellschaft verknüpft sind:
Für Menschen, die mit Hunden der verbotenen oder ebenfalls vom Verbot gefährdeten Rassen zusammenleben, wird das Leben von Tag zu Tag unerträglicher. Von den verbalen, aber auch gewalttätigen Aggressionen aufgehetzter und ignoranter Bevölkerungsteile sind Tier und Mensch betroffen. Die Unmöglichkeit, dem Hund artgerechte Bewegung zu ermöglichen, nächtliche Schleichwege an Stelle normaler Spaziergänge antreten zu müssen, beschneidet Lebensglück und Lebensrecht für Tier und Mensch. Ein permanenter Leinenzwang verhindert ein Erlernen und Ausüben des natürlichen Sozialverhaltens, Spielen mit anderen Hunden ist so nicht möglich. Das ständige Tragen eines Maulkorbs hindert den Hund am lebensnotwendigen Hecheln, zudem ist er in dieser Wehrlosigkeit von anderen, freilaufenden Hunden bedroht. Diese Maßnahmen können selbst bei bisher friedlichen Hunden zu Frustrationen, Angst und Neurosen führen und sind daher letztendlich auch für den Menschen gefährlich.
Die explodierenden Strafsteuern für "Kampfhunde" sind für viele Menschen nicht mehr finanzierbar. Die meisten Tierheime verweigern eine legale Aufnahme von "Kampfhunden". Verantwortungslose Halter setzen ihre Tiere einfach aus, in Einzelfällen sind Hunde auch schon abgestochen, lebendig vergraben oder aus dem Fenster geworfen worden. Auf der anderen Seite stehen Menschen, deren Verzweiflung so extrem ist, dass sie sogar an Selbstmord denken.Tierfreunde, die sich weigern, ihren Hund einfach in die Vernichtung oder auch nur eine, jedem Tierschutz widersprechende, lebenslange Zwingerhaft "abzuschieben", und die deshalb zu obdachlosen, vielleicht demnächst auch arbeitslosen "Outlaws" werden könnten.

Die Klassifizierung von Tieren als "Kampfhund" entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Rassenlisten und "Gefährlichkeitsvermutung" sind so willkürlich, dass jedes Bundesland diese selbst definiert. Kein Hundebesitzer kann sich sicher fühlen, weil sein Tier bisher nicht betroffen ist! Schleswig-Holsteins Innenminister Buß hat bereits erklärt, die Liste jederzeit problemlos ergänzen zu können - der nächste Zwischenfall mit beispielsweise einem Riesenschnauzer, Dobermann, Rottweiler, Dogge oder Schäferhund kann somit schnell auch das Leben dieser Rassen gefährden.

Angesichts dieser Entwicklung warnen wir vor der Illusion, es werde "alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird", die Situation werde sich nach dem Abflauen der derzeitigen Hysteriewelle wieder einigermaßen normalisieren. Nachdem die Politiker sich "hundepolitisch" dem Diktat der Massenmedien unterworfen haben, steht ihnen kein Rückzugsweg mehr offen. Noch nie in der Geschichte hat sich eine diskriminierte und verfolgte Gruppe durch politische Anpassung und Stillhalten retten können. Auch wenn wir jedem empfehlen, sich nicht auf persönliche Konfrontationen einzulassen, sich und die Tiere nicht durch Einzelaktionen oder Nichtbefolgen der Auflagen zu gefährden, sollten andererseits alle Möglichkeiten genutzt werden - gemeinsam mit anderen Betroffenen - die demokratischen Möglichkeiten des Widerstands zu nutzen.
Tierschutzvereinigungen und Hundefreunde haben es leider bisher nicht geschafft, gemeinsam ihren Protest zu formulieren, gemeinsame juristische Schritte einzuleiten und Aktionen zu organisieren. Das hängt neben dem bedauerlichen Vorherrschen von Sonderinteressen und Abgrenzungssucht auch damit zusammen, dass die drohende Gefahr bis zum plötzlichen Ausbruch der Krise nicht ausreichend erkannt und ernst genommen wurde.

Es gibt in Deutschland mehr als fünf Millionen Hunde. Mindestens 15 Millionen Menschen leben direkt oder indirekt (durch Freundschaft oder Verwandtschaft) mit Hunden zusammen. Selbst wenn man alle beiseite lässt, die heute für Protestaktionen nicht in Frage kommen, weil sie sich von den Maßnahmen nicht betroffen fühlen oder sie aus Unverstand sogar begrüßen, sind wir Hundefreunde eine gewaltige politische und gesellschaftliche Kraft - sofern wir bereit sind, diese einzusetzen.


( Quelle: Presseerklärung www.hund-und-halter.de )


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